|
von Jörg Terbrüggen am 1.7.2010 im Lokalkompass, Stadtanzeiger
online
Rees. Sind die Bürger in Rees und Umgebung unterversorgt? Diese Frage könnte
man sich stellen, wenn man die derzeitigen Pläne der Stadt Rees und des
Investors für das NIAG-Areal und das Postgelände sieht. Dort soll großflächiger
Einzelhandel hin.
Das Wirtschaftsforum sieht dort aber keinen so großen Handlungsbedarf. Es
gelte bestenfalls Optimierungen anzustreben. Horst Schappfeld bemerkte, dass
Rees durchaus eine gut funktionierende Einzelhandelsstruktur habe. Bei den
vorgelegten Plänen befürchtet das Wirtschaftsforum, dass die Kirch- und
Fallstraße plötzlich abgeschnitten seien und sich alles vornehmlich auf das
Gebiet rund um das NIAG-Gelände konzentrieren würde.
„Deshalb treten wir ausdrücklich für eine zeitgleiche
Stärkung des Marktplatzes als Zentrum der historischen Innenstadt ein“, erklärte
Ruth Pollmann. Sonst käme es zu beschriebener Schwerpunktverlagerung an den Rand
des Stadtkerns. Nach wie vor denkt das Wirtschaftsforum über eine Auslagerung
bestimmter Teile des Rathauses nach, um das Erdgeschoss frei zu bekommen. „Diese
Flächen“. so Ruth Pollmann, „sind attraktiv, weil sie ebenerdig sind.“Hier
könnte dann künftig Handel und Gastronomie einen Platz finden.
Ebenfalls könnten die Räume der Polizei und der Stadtbücherei frei gemacht
werden und dem Einzelhandel (Rathausarkaden) zugeführt werden. Die Stadt tritt
quasi als Vermieter auf und muss die Immobilien nicht verkaufen. Der Marktplatz
würde somit an Attraktivität gewinnen. Sozialamt, Bürgerservice, Bücherei,
Stadtkasse und Polizei ziehen dafür in gemietete Flächen am NIAG-Gelände ein.
Die dortigen Obergeschossflächen könnten so bezahlbarer als Wohnraum zu
vermarkten sein.
Außerdem hätte der Projektentwickler mit der Stadt einen Ankermieter. „Wenn
man hier Miete gegen Miete tauscht, braucht man gar nicht über hohe
Investitionen reden. Am Rathaus könnte man höhere Mieten erzielen als auf dem
NIAG-Gelände und die Stadt könnte somit problemlos hier anmieten“, rechnete
Michael Kemkes vor. „Wir könnten uns aber auch durchaus vorstellen, dass man das
NIAG-Gelände erst einmal liegen lässt. Man muss die Fläche ja nicht sofort
vermarkten,“meinte Pollmann. Eine isolierte Entwicklung des Postgeländes, so
Kemkes könnten sich hingegen einige Reeser vorstellen.
Durch die
Konzentration auf den Marktplatz erhielte die Stadt hochwertige
Einzelhandelsflächen, dazu noch am heutigen Postgelände. Die Stadt würde
ausschließlich durch neue Fachhändler belebt, großflächige „Versuchsflächen“ mit
eventuellen unerwünschten Folgen (Leerstand, Discounter) entstünden nicht. In
dem neuen Positionspapier des Wirtschaftsforum heißt es dazu: „Durch die
Einbeziehung des Marktplatzes wird die Stadt nicht zum gleichen Zeitpunkt mit
einer unerwünschten „Neuen Mitte“ konfrontiert. Den offenen Dialog, den auch Bürgermeister Christoph Gerwers
befürwortet, will das Wirtschaftsforum fortführen. Eine breite Unterstützung
durch die Bürger sei dafür eine Grundvoraussetzung. „Wir wollen die Stadt nur
motivieren auch in Alternativen zu denken“, so Ruth Pollmann abschließend.
http://www.lokalkompass.de/emmerich/politik/alternative-zu-den-plaenen-der-stadt-d4040.html
|